v.l.n.r. Prof. Lang, Prof. Hennig, Dr. Villhauer

Zu einer Podiumsdiskussion über die Chancen und Risiken des Cyber Valleys lud der CDU Stadtverband ein / Prof. Hennig und Dr. Villhauer standen Rede und AntwortC

Im Hotel La Casa in Tübingen fand am Dienstag, den 14. Mai 2019, die Veranstaltung „Tübingen im Cyber Valley – Chancen und Risiken“ statt. Prof. Peter Lang eröffnete mit einer kurzen Vorstellung der Diskutanten den Abend, nachdem er die Relevanz des Cyber Valleys für Tübingen hervorhob.

Prof. Philipp Hennig, Professor für die „Methoden des Maschinellen Lernens“ im Fachbereich Informatik der Uni Tübingen, lobte den Standort Tübingen. Sowohl deutschlandweit als auch weltweit habe sich Tübingen eine hervorgehobene Stellung aufgrund der sehr guten Grundlagenforschung, erarbeitet. Das Cyber Valley ist ein Zusammenschluss von öffentlichen Partnern, wie dem Land Baden-Württemberg, und industriellen Partnern, beispielsweise Bosch oder Amazon, mit dem Ziel, die Region Tübingen / Stuttgart zur führenden KI-Region in Europa zu machen. Dazu wurde bereits ein neuer Studiengang „Künstliche Intelligenz“ eingeführt, zahlreiche Forscher werden angeworben und bereits in den Schulen gibt es Initiativen, wie beispielsweise einen Bundeswettbewerb des Zentrums für Maschinelles Lernen, um auf das Thema aufmerksam zu machen und frühzeitig das Interesse zu wecken.

Geschäftsführer des Weltethos-Instituts, Dr. Bernd Villhauer, setzte in seinem Impulsvortrag andere Akzente und zeigte ethisch-philosophische Fragestellungen auf, die sich aufgrund der Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ergeben. Er bezog sich auf die divergenten Stimmungen in der Bevölkerung zum „Cyber Valley“ und verwies darauf, dass Ängste ernst genommen werden müssten, denn nur so könne die Wissenschaft verstehen, welche Auswirkungen ihre Forschungen auf die Menschen und ihren Lebensalltag haben. Deshalb lobte Dr. Villhauer mehrfach den kritischen und lebendigen Austausch in Tübingen und unterstrich, dass nur Politik und Gesellschaft die Einbettung der Wissenschaft in kulturelle Zusammenhänge leisten können. Die Aufgabe von Ethikern sei es, sich mit den Chancen, aber auch mit den Risiken von Neuerungen im Bereich der KI auseinanderzusetzen. Dabei müsse immer gewährleistet werden, dass die Künstliche Intelligenz den moralisch-ethischen Ansprüchen gerecht wird. Künstliche Intelligenz, so Dr. Villhauer, könne man nicht vergleichen mit der Intelligenz, wie wir sie kennen, denn „die ist vom Menschen abhängig“. Intelligentes Verhalten lernten Menschen im menschlichen Umfeld. Deshalb müsse KI vollkommen anders verstanden werden.

In der anschließenden Diskussionsrunde mit rund 30 Anwesenden kamen ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Künstliche Intelligenz und das Cyber Valley zum Tragen. Die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit Tübingens im Vergleich zu beispielsweise China wurde von Prof. Hennig klar beantwortet: Die sinnvolle Kooperation und Interaktion von Industriellen und akademischen sowie öffentlichen Institutionen mache den Standort Tübingen so attraktiv. Großes Interesse wurde beim Thema Drohnenforschung geäußert. Hier wurde Prof. Hennig deutlich, denn nicht jeder flugfähige Roboter deute auf eine Gefahr hin. Es gehe hierbei maßgeblich um wissenschaftliche Datensammlungen, beispielsweise für die Landwirtschaft oder für Daten zum Klimaschutz. Gerade die Sorge, dass Tübingens Cyber Valley den Bereich Rüstungsforschung weiterentwickeln könnte, schien bei einigen Anwesenden groß. Hier verwies Dr. Hennig auf die Zivilklausel der Universität, dass die Uni keine Rüstungsforschung betreibt. Falls Mittel in dieser Richtung beantragt würden, würde die Finanzierung vonseiten der Uni verhindert. Auf die Frage, was genau Amazon erforscht, erklärte Prof. Hennig, dass es dem Großkonzern wohl mehr um effizientere Produktverkäufe gehe. Es sei es üblich, dass die Öffentlichkeit nicht immer darüber informiert werde – schließlich sei die Angst, Konkurrenten könnten die Innovationen übernehmen, groß.

Deutlich herauszustellen sei, dass Künstliche Intelligenz auch im Gesundheitssystem bei der Früherkennung von großem Nutzen ist und gerade in Tübingen auf großes Interesse stößt. Für die Zukunft sieht Dr. Villhauer die KI in der Weiterentwicklung des Maschinenbaus und im Bereich der Nachhaltigkeit für relevant. Auch Berufe, die eine mittlere Kreativität voraussetzen, wie beispielsweise Berufe im redaktionellen Kontext, könnten in Zukunft von KI-Systemen besetzt werden. Wo überall weitere Veränderungen auftreten, sei heute noch nicht ersichtlich, was aber schon klar sei: „Es wird die Berufswelt radikal verändern“, so Dr. Villhauer.

Cyber Valley – was ist das eigentlich?