v.l.n.r. Christoph Naser, Sabine Kurtz (MdL), Manuel Feger, Prof. Dr. Bormann, Prisca Steeb

Knapp 100 Interessierte folgten am Donnerstagabend der Einladung des CDU Stadtverbands und des Arbeitskreises Christ&Politik ins Adolf-Schlatter-Haus, um über christliche Verantwortung in der Politik zu diskutieren. Gerade bei den aktuellen Zahlen zu den Kirchenaustritten und dem Trend der nächsten Jahrzehnte, stellte Manuel Feger, der das Gespräch moderierte, hier die Frage, ob es noch angemessen sei, wenn Kirchen zu politische Themen ihre Meinung sagen. „Die Werteorientierung in einer zunehmend hedonistischen Gesellschaft“ sei Thema der Kirchen, so Prof. Dr. Franz-Josef Bormann, katholischer Moraltheologe. Dabei solle Kirche keine symbiotische Beziehung mit dem Staat eingehen, sie solle sich eher kritisch und distanziert äußern. Den Wunsch, Kirchen sollten sich mehr zu ethischen Fragestellungen äußern, auch wenn diese nicht dem Mainstream entsprechen, formulierte Prisca Steeb, Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Christoph Naser, Landesvorstandsmitglied des EAK und CDU-Gemeinderatskandidat in Tübingen, unterstrich, es entspräche „dem freiheitlichen Charakter des Grundgesetzes“, politische Positionen auch weltanschaulich begründen zu können. Religionen und Weltanschauungen machten Menschen aus. Dass die Politik auch die Religion braucht, dabei waren sich alle einig. Sabine Kurtz (MdL), stellvertretende Bundesvorsitzende des EAK und Vizepräsidentin unseres Landtags, verwies darauf, dass gerade Themen des Lebensanfangs und des Lebensendes eine Gewissensfrage bei politischen Entscheidungen darstellten. Diskussionen über Schwangerschaftsabbruch oder Sterbehilfe müssten immer unter Berücksichtigung der christlichen Werte geführt werden. „Und christliche Werte“, so Bormann, fußten auf der Vernunft. Gerade der Schutz des Einzelnen beim Thema Sterbehilfe und die Verantwortung, die Christen dabei haben, wurde im Anschluss mit dem Publikum kontrovers diskutiert. Auch wenn auf den ersten Blick die Bereiche Politik und Religion vielleicht nicht zusammenpassen, so hat der Abend gezeigt, dass religiöse Werte zu gesellschaftspolitischem Engagement motivieren.

Forderung nach mehr christlicher Verantwortung in unserer zunehmend hedonistischen Gesellschaft