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11.02.2010 - Schwäbisches Tagblatt/Andreas Böhme,Bettina Wieselmann Übersicht | Drucken

Stefan Mappus gewählt - Schwarz-Gelb in Feierlaune

Nur eine Stimme aus den Reihen von CDU und FDP fehlte: Stefan Mappus Einstand als neuer baden-württembergischer Regierungschef ist geglückt. Er hat sich selbst auch gewählt und ist sehr zufrieden.



Schwäbisches Tagblatt/Andreas Böhme,Bettina Wieselmann -

"Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe": Seit gestern, 10 Uhr 49 hat das Land einen neuen Regierungschef: Stefan Mappus leistet seinen Amtseid, für Momente zieht noch einmal großer Ernst ins Parlament.

Ansonsten sind die CDU und ihr Koalitionspartner FDP in Feierlaune. 83 Stimmen hat Mappus in der namentlichen Abstimmung bekommen, nur eine weniger als die 84 Mandate der Koalition. "Mehr als zufrieden" sei er mit diesem Ergebnis, schließlich habe er sich ja nicht nur Freunde gemacht in seiner bisherigen politischen Laufbahn. Und die eine Enthaltung, war die etwa von ihm? Mappus lacht laut, wie so oft an diesem Tag. "Ich habe mich noch nie enthalten, ich bin entweder dafür oder dagegen." Ganz der Alte, auch im neuen Amt.

Mit ein bisschen Verspätung hatte die Sondersitzung des Landtages begonnen, des Wetters wegen. Erwin Teufel blieb im Schönbuch sogar im Schnee stecken. Als letzter betritt er mit Frau Edeltraud die vollbesetzte Tribüne. Zum ersten Mal sitzt er hier oben, 34 Jahre lang nahm er lieber Platz als Abgeordneter unten im Plenum.

Auch Günther Oettinger feiert fast eine Premiere: Als Neunjähriger saß er zuletzt auf den Zuschauerrängen, und nun wieder, weil er nicht nur das Amt, sondern auch das Landtagsmandat als neuer EU-Kommissar abgeben musste. Neben Oettinger sitzt dessen Freundin Friederike Beyer, und dann Lothar Späth, sein Ziehvater. Als Stefan Mappus im mehr braunen als schwarzen Anzug zur Wahlkabine geht, klopft ihm der grüne Abgeordnete Thomas Oelmayer freundlich-aufmunternd auf die Schulter.

Die Stimmung ist gelöst, die Regierungsfraktionen legen schon die Blumen zurecht. Auch Mimosen sind darunter - und kämen sie nicht von der FDP, wären sie wohl eine Anspielung auf die wenig ausgeprägten Nehmerqualitäten des neuen Regierungschefs. Von alledem nimmt Staatsminister Wolfgang Reinhart keine Notiz: Er zeichnet Akten ab, von der Abgeordnetenbank aus regiert er demonstrativ durch. Reinhart wird als Quasi-Hausherr in der Villa Reitzenstein Mappus später am Regierungssitz ganz offiziell willkommen heißen.

83 Stimmen! Mappus weiß es schon kurz vor der offiziellen Bekanntgabe. Er tippt auf seinem Blackberry, er rückt die Krawatte gerade, er ruht für einen Moment ganz in sich. Alle Fraktionen klatschen, allein die Koalitionäre stehen dazu auf. Und jeder will der erste unter den Gratulanten sein. Duzfreund und FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke umarmt ihn, auch Ex-Umweltminister Ulrich Müller, einstiger Chef des Jung-Staatssekretärs, und Kultusminister Helmut Rau.

Draußen im Foyer wird bereits kommentiert. Vize-Regierungschef Ulrich Goll (FDP) freut sich über das "ausgezeichnete Ergebnis" und schreibt die eine fehlende Stimme "zur Hälfte der CDU und zur Hälfte der FDP" zu. Winfried Kretschmann, Chef der Grünen-Fraktion, geht härter ran: Bis zur Landtagswahl in einem Jahr "hat Mappus eine Restlaufzeit. Und wir schauen, dass es keine Laufzeitverlängerung gibt". Claus Schmiedel (SPD) gibt derweil die Richtung vor: "Völlig unmöglich" wäre, wenn Mappus den Finanzminister und seinen Staatssekretär im Amt beließe, und auch im Kultusministerium "muss er reinen Tisch machen".

Unten, im Eingangsbereich des Landtages, beginnt der Empfang mit Sekt, süßen Stückle und Reishäppchen aus dem Glas. Man gratuliert, ja herzt sich (wie Umweltministerin Tanja Gönner ihren neuen Chef, an den sie "nicht geringe Erwartungen" hegt) oder übergibt Geschenke: Für seine Beißkraft kriegt Mappus von Justizminister Ulrich Goll ein kleines Stoff-Krokodil zugesteckt. Oder man vergießt Tränen wie Ehefrau Susanne Verweyen-Mappus, von der erst jetzt die Anspannung abfällt.

Und natürlich fehlt es nicht an Ratschlägen. "Gelassenheit" wünscht Günther Oettinger seinem bisweilen als cholerisch geltenden Nachfolger, bevor er sich endgültig zurückzieht, um in der Landtagsgaststätte Abschied zu nehmen von den engsten Mitarbeitern und seinen Bodyguards, die er als EU-Kommissar nun nicht mehr hat.

Erwin Teufel, selbst erst vor fünf Jahren abgetreten, schnitzt derweil spitze Pfeile. Mappus, sagt er, "fängt neu an, aber er ist kein Anfänger". Schließlich habe er (anders als der rastlose Oettinger) Erfahrung als Minister. Da "muss man im Haus sein und kann nicht an sieben Tagen 18 Stunden lang unterwegs sein". Und noch ein Rat: Als Regierungschef gelte es, "jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, bevor man es ausspricht". Freunde werden die beiden Alt-MPs wohl nicht mehr.

Und der CDU-Abgeordnete Klaus Herrmann kriegt endlich auch die MP-Autogramme zusammen, die ihm in seiner Chronik der Südwest-CDU noch fehlten. Seit 1953 stellt die Union ununterbrochen die Regierungschefs in Baden-Württemberg, seit gestern in der Fortsetzung Nummer sieben.

Keine drei Stunden später ist auch die zweite Weichenstellung der CDU vollzogen: Während im Landtag noch gefeiert wird, wird im Abgeordnetenhaus der Nachfolger von Mappus im Fraktionsvorsitz in geheimer Wahl bestimmt. Der Freiburger Klaus Schüle darf sich als erster vorstellen. Der Beifall hört sich durch die verschlossenen Türen satt an, doch von 69 Abgeordneten konnten sich nur acht für ihn erwärmen. Auch für den Gmünder Stefan Scheffold, der überzeugt war zu siegen, geht es mit 18 Stimmen enttäuschend aus.

Den vollständigen Artikel im Schwäbischen Tagblatt finden Sie hier.


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