Brücke zu neuen Ufern Atomkraft-Diskussion
Streng genommen fehlt den konservativeren Kräften in der Union für ihre Kritik an Norbert Röttgens Äußerungen die Empörungsgrundlage. Schließlich wiederholt der Bundesumweltminister in den Medien nur das, was laut Koalitionsvertrag ganz offizielle Linie ist: "Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann."
Dass seine Überlegungen in den eigenen Reihen heftigen Widerstand provozieren würden, muss Röttgen dennoch klar gewesen sein. Denn viele Parteifreunde sehen das Land am anderen Ende der Brücke noch in weiter Ferne - während das Ufer nach Röttgens Vorstellungen womöglich sogar ganz ohne eine Laufzeitverlängerung über 2022 hinaus erreicht werden könnte. Trotzdem handelt Röttgen strategisch geschickt, wenn er sich wieder an das ursprüngliche Ausstiegsszenario heranrobbt. Die Gefahr, dass die Union auf diese Weise wichtige Wählergruppen vergrätzt, erscheint vernachlässigbar angesichts der Koalitionsoptionen, die ein solcher Schwenk eröffnet: Nicht nur für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen befördert er ein schwarz-grünes Bündnis theoretisch. Auch bei der nächsten Bundestagswahl stünde dieser Konstellation nichts mehr fundamental im Wege. Die Öffnung hin zu Schwarz-Grün beim Thema Energie ist eine logische Fortführung der Entwicklung der Union in den vergangenen Jahren. Ob in der Familien- oder der Bildungspolitik: Unter Angela Merkels Kanzlerschaft hat die CDU sich von etlichen Positionen verabschiedet, die dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Auch gegen einen Ausbau von Krippenplätzen schienen die Beharrungskräfte zunächst unüberwindbar. Doch letztlich hat die Partei von der eigenen Modernisierung profitiert. Den vollständigen Artikel in der Financial Tims Deutschland finden Sie hier. |