Konzentriert hatte Mappus Kretschmann dozieren hören, in eine Regierungserklärung gehörten Antworten, keine Fragen. Immer länger wurde der Notizzettel des Regierungschefs, als Kretschmann wie Schmid bemerkten, der Begriff Ganztagsschule komme in seinen Ausführungen überhaupt nicht vor, oder als Schmid ihm vorwarf, er habe ein Weltbild, das spalte, und keine "Antennen" für die sich wandelnde Gesellschaft. Mappus registrierte die große Zustimmung, die Schmid für seine Haltung zur Integration erhielt: "Wir werden die Integration nur gemeinsam voranbringen, oder wir werden gemeinsam verlieren." Schmid entlockte Mappus lautes Gelächter mit dem Vorschlag, mit ihm gemeinsam den Christopher-Street-Day, die Schwulenparade, zu besuchen.
Bei seinem zweiten Auftritt holte Mappus richtig aus, er teilte aus in Richtung SPD und Grüne. Den Vorwurf von Nils Schmid, er traue sich nicht, Sparvorschläge zu machen, parierte Mappus drohend: "Sie werden mehr Mut erleben, als Ihnen vielleicht recht sein wird." Er ließ keinen Zweifel daran, dass er führen will. Das mache er nicht mehr mit, dass andere Länder nicht sparten und Geld ausgäben und Baden-Württemberg Milliarden in den Finanzausgleich zahle, sagte Mappus. Da erwarte er auch, "dass alle hier mich unterstützen", egal, auf welcher Seite des Plenarsaals sie sitzen mögen. Und das mache er auch nicht mehr mit, dass der Sozialbereich zur Tabuzone erklärt werde und alle "Schlechtmenschen" seien, die auch nur darüber nachdenken, ob dort gespart werden könne.
Plötzlich ist die Gestik wieder da. Der Pforzheimer breitet die Arme aus, unterstreicht seine Erklärungen mit Daumen und Zeigefinger. So engagiert geht Mappus gegen seine Kritiker vor, dass Hagen Kluck, der FDP-Mann gar nicht genug davon bekommen kann. "Vierter und letzter Punkt", ruft Mappus. "Schade", ruft Kluck. Begeistert applaudiert die CDU, als der Regierungschef der Opposition ankündigt, bis zur Landtagswahl werde er sie damit konfrontieren, dass sie die Einheitsschule wolle und damit Schulen auf dem Land gefährde. Auf die Schenkel klopft sich so mancher Christdemokrat, als Mappus Schmid kontert: "Das mit dem Christopher Street-Day überlege ich mir. Aber wenn, dann gehe ich mit Schmiedel. Ich möchte wenigstens noch Relikte von Temperament in der SPD an meiner Seite haben". So kennen sie ihn in der CDU, und so gewinnt er ihren Beifall.
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